HPU und Reizdarm

Wenn Darmtherapie allein nicht ausreicht

Es gibt diese Klientinnen, die alles umsetzen.
Ernährung angepasst. Fehlbesiedelungen beseitigt. Darm aufgebaut. Stressregulation integriert. Trigger reduziert.

Und trotzdem bleibt der Bauch instabil.

Blähungen kommen zurück. Die Erschöpfung bleibt. Die Reizbarkeit des Darms verändert sich nur kurzfristig.

In genau diesen Fällen schaue ich inzwischen sehr bewusst auf eine Ebene, die häufig übersehen wird: HPU.

Durch meine spezialisierte Weiterbildung im Bereich HPU ist dieses Thema fester Bestandteil meiner ganzheitlichen Analyse geworden, besonders bei komplexen oder therapieresistenten Darmverläufen.

Was ist HPU aus funktioneller Sicht?

HPU steht für Hämopyrrollaktamurie. Darunter versteht man eine Stoffwechselkonstellation, die in der konventionellen Medizin bislang nicht als eigenständige Diagnose etabliert ist. In integrativen und funktionellen Therapiekonzepten wird sie jedoch als möglicher Einflussfaktor bei komplexen Beschwerdebildern berücksichtigt.
Dabei werden vermehrt HPL Komplexe über den Urin ausgeschieden. Diese Komplexe binden Vitamin B6, Zink und in geringerem Maß Mangan.

Die Folge ist kein klassischer Mangel durch schlechte Ernährung, sondern ein erhöhter Verbrauch mit funktioneller Unterversorgung.

Und genau das kann tief in die Darmregulation eingreifen.

Warum HPU den Darm beeinflussen kann

1. Magensäure als erste Schutzbarriere

Zink ist wesentlich an der Magensäureproduktion beteiligt.
Ist diese reduziert, beginnt die Kaskade oft schon im Magen:

  • Eiweiße werden unvollständig aufgespalten

  • Keime werden schlechter inaktiviert

  • Gärungsprozesse nehmen zu

  • der Dünndarm wird anfälliger für Fehlbesiedlung

Viele Reizdarm Klientinnen zeigen Zeichen einer verminderten Säureproduktion ohne es zu wissen.

2. Neurotransmitter und Darmmotilität

Vitamin B6 wird für die Synthese von Serotonin, Dopamin und GABA benötigt.

Serotonin reguliert nicht nur Stimmung, sondern auch die Darmbewegung. Es beeinflusst die Peristaltik und den Migrating Motor Complex. Dieser Reinigungsmechanismus sorgt zwischen den Mahlzeiten dafür, dass Bakterien und Speisereste weitertransportiert werden.

Ist dieser Prozess gestört, kann:

  • die Motilität verlangsamt sein

  • der Dünndarm unzureichend gereinigt werden

  • eine bakterielle Fehlbesiedlung begünstigt werden

Gerade bei chronischem Blähbauch, wechselndem Stuhlgang oder wiederkehrender SIBO lohnt sich hier ein genauer Blick.

Typische Hinweise auf HPU

HPU ist kein einzelnes Symptom, sondern ein Muster. Häufig sehe ich:

  • schnelle Erschöpfbarkeit

  • geringe Stressresistenz

  • innere Anspannung

  • Konzentrationsprobleme

  • Licht und Geräuschempfindlichkeit

  • fehlende Traumerinnerung

  • starke Schwangerschaftsübelkeit in der Vorgeschichte

  • Allergieneigung

  • empfindlichen Darm

Viele dieser Punkte wirken zunächst unspezifisch. Doch wenn sich mehrere davon kombinieren und der Darm gleichzeitig instabil bleibt, ergibt sich oft ein klares Bild.

Warum Standard Darmtherapie manchmal nicht ausreicht

Wenn zentrale Mikronährstoffe fehlen, laufen enzymatische Prozesse nicht stabil. Dann bleibt auch die Darmregulation labil.

Man kann die Flora aufbauen, Entzündungen beruhigen und Trigger reduzieren.
Fehlt jedoch die biochemische Grundlage, entsteht keine nachhaltige Stabilität.

Genau hier liegt aus meiner Erfahrung häufig der Unterschied zwischen kurzfristiger Verbesserung und echter Regulierung.

Diagnostik mit Bedacht

Zur ersten Orientierung bietet das niederländische Labor KEAC einen strukturierten Online Fragebogen an. https://www.keac.nl/wp-content/vragenlijst/fragebogen.html

Für die Labordiagnostik selbst ist wichtig:

  • Vor der Testung keine Präparate mit Vitamin B6, Zink oder Mangan einnehmen, da dies das Ergebnis verfälschen kann.

  • Nicht alle im deutschsprachigen Raum angebotenen Tests erfassen spezifisch die HPL Komplexe.

Das Labor KEAC misst gezielt diese HPL Komplexe. Andere Verfahren bestimmen lediglich Pyrrole oder verwandte Substanzen. Das kann in manchen Fällen zu unauffälligen Ergebnissen führen, obwohl klinisch deutliche Hinweise bestehen.

In meiner Praxis habe ich mehrfach erlebt, dass Klientinnen mit einem negativen Vorbefund kamen und sich bei genauerer Betrachtung herausstellte, dass nicht die spezifische Analytik durchgeführt wurde.

Hier ist Genauigkeit entscheidend.

Ganzheitlich heißt präzise

Für mich bedeutet ganzheitliche Arbeit nicht, alles mit allem zu erklären.
Es bedeutet, systematisch Ebenen zu prüfen, wenn der Verlauf nicht stimmig ist.

HPU ist keine Mode Diagnose.
Aber sie ist auch kein Randthema.

Gerade im Zusammenspiel von Darm, Nervensystem und Mikronährstoffhaushalt kann sie ein zentraler Baustein sein.

Wenn dein Darm trotz konsequenter Arbeit nicht stabil wird, lohnt es sich, tiefer zu schauen.

Weiter
Weiter

Nahrungsmittelunverträglichkeiten und SIBO